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Die Mauser bei Hühnern

Der Anblick ist erschreckend! Das einst so flauschige Huhn sitzt völlig zerzaust und mit hängendem Kopf in der Ecke. Um ihn herum liegen zahlreiche Federn seines ehemaligen Prachtkleides, die sich bei jedem Luftzug leicht erheben. Einige fallen dadurch wie von selbst auf die kahlen Körperstellen des kleinen Huhnes herab. Für das unglückliche Huhn wohl kaum ein Trost! Aber was hat es mit der Mauser auf sich?

Wozu braucht das Huhn die Mauser?

Im Laufe der Zeit unterliegt das Federkleid nicht nur bei Hühnern, sondern auch bei allen anderen Vogelarten allgemeinen Abnutzungserscheinungen. Ist das Federkleid mangelhaft, setzt die Wärmeisolierung aus. Dadurch besteht kaum noch Schutz vor Nässe und Verletzungen. Ebenso sinkt die Körpertemperatur und der Stoffwechsel arbeitet nur im unteren Level. Im Ergebnis dessen wird das Tier langsamer und somit auch anfälliger für Beutegreifer.

Tipp: Damit die Stoffwechselprozesse wieder optimal funktionieren, ist deshalb eine alljährliche Erneuerung des kompletten Federkleides durch die Mauser unumgänglich.

Reif für die Mauser

Ungefähr ab einem Alter von zwölf Monaten setzt bei Junghühnern die erste richtige Mauser ein. Als Küken erfahren sie bereits zwischen dem sechsten bis achten Lebenstag sowie nach ungefähr zwölf Wochen zwei Kleinstmausern. Während dieser Zeit kommt es zur allmählichen Ausbildung eines bleibenden und strapazierfähigen Gefieders.

Mitunter verlieren auch brutfreudige Hennen zu Beginn der Brut einige Federn. Ein erstes Erkennungsmerkmal bildet der sogenannte Brutfleck im Bereich des unteren Halses und am Bauch. Der federlose Hautbereich ermöglicht eine noch intensivere Abgabe der Körperwärme an das Gelege. Selbst nach der Brut kann der Federlass noch einige Tage bis wenige Wochen überdauern. Während dieser Zeit „pendelt“ sich der Körper wieder in ein normales Trink- und Fressverhalten ein.

Wie lange dauert der Prozess einer Mauser?

Das „Mausern“ ist ein natürlicher und völlig normaler Vorgang, der meist einmal jährlich stattfindet. Sobald das Huhn zum Ende des Sommers oder Anfang Herbst das Eierlegen komplett einstellt, steht dessen Mauser bevor. Dieser Zeitpunkt ist naturgemäß so geregelt und stimmt meist mit der Abnahme der Tageslichthälfte überein.

Die anstehende Mauser kostet dem Tier enorme Energie. Der Körper arbeitet auf Hochtouren und steuert den Mauserprozess über entsprechende Hormone. Die Produktion dieser Hormone ist wiederum von unterschiedlichen Faktoren abhängig. So spielen Tageslänge, Temperatur und Futterangebot eine entscheidende Rolle. Generell kann sich der Federwechsel bis in den Herbst hinziehen, ist jedoch nach ein bis maximal zwei Monaten abgeschlossen. Ältere Tiere haben mitunter länger zu kämpfen.
Weiterhin mausern manche Hühner noch zu anderen Jahreszeiten. Hierbei handelt sich es jedoch nur um einen kleinen Teilbereich ihres Federkleides – meist die Nackenfedern.

Tipp: Ein neues Federnkleid dauert normalerweise vier bis sechs Wochen; ältere Hühner haben zum Teil länger damit zu tun.

Was muss ich noch beachten?

Während der Mauserzeit brauchen die Tiere ihre ganze Energie für die neu nachwachsenden Federn. Der Stoffwechsel arbeitet ununterbrochen mit voller Power. Aus diesem Grund sollten Sie nachfolgende Sachverhalte berücksichtigen!

Unbedingt Stresssituationen vermeiden

Bei der Hühnerhaltung auf Auslauf achten.Die Hühnerhaltung erfordert oftmals Arbeiten, die normalerweise für den Halter nichts Ungewöhnliches darstellen. Für das mausernde Huhn allerdings können jetzt schon Kleinigkeiten zu besonderen Stressmomenten führen. Der Umzug in einen neuen Stall oder die Anschaffung neuer Kameraden für das Hühnervolk sollten unterbleiben. Größere Reparaturen wie beispielsweise ein Ausbessern des Daches müssen warten. Kleinere Instandhaltungsarbeiten können allerdings meist problemlos erfolgen.

Achtung – empfindlich!

Das Gewebe nachwachsender Federn ist stark durchblutet. Diese frischen Federansätze werden nicht umsonst als Blutkiele bezeichnet. Sie sind äußerst empfindlich. Wird ein Blutkiel verletzt oder bricht er gar ab, können innerhalb weniger Minuten starke Blutungen einsetzen. Im schlimmsten Fall lockt der Geruch andere Hühner an. Deshalb sollten mausernde Hühner während dieser Zeit weder hochgehoben noch berührt werden. Ruhe ist das A und O!

Ansteckungsrisiko

Genau wie das Zahnen beim Kind, so stellt auch die Mauser beim Huhn eine starke körperliche Belastung dar. Die Hühner besitzen in dieser Zeit auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Bei Gefahr durch kranke Artgenossen, sollten die mausernden Hühner daher vorsorglich isoliert werden.

Spezielle Ernährung während der Mauser?

Das Mausern kann die Hühner stark ermüden. Sie brauchen daher die richtige Menge an Mineralien und Vitaminen. Um dies sicherzustellen, wird das Futter optimaler Weise mit bestimmten Nahrungsergänzungsmittel angereichert.

Proteine sind während des Mauserns ebenfalls wichtig. Sie bestehen aus Aminosäuren, Vitaminen und Mineralien, die besonders den Prozess des Federwachstums unterstützen. In Apfelessig sind beispielsweise zahlreiche Mineralien enthalten, die das Huhn für seine Gesundheit braucht.
Ernährungstipps für die Mauserzeit:

  • Bierhefe für Hühner (enthält Aminosäuren Methionin und Lysin)
  • Mehlwürmer – starker Eiweißlieferant (auch in getrocknetem Zustand möglich)
  • Keimlinge – Proteine (Linsen, Erbsen, Mungbohnen, Buchweizensamen)
  • Kräuter – (Kresse, Kerbel, Borretsch, Malve, Schnittlauch, Zitronenmelisse, Estragon, Kerbel, Petersilie)

Kleine Federkunde

Eine Feder besteht aus einer Art Horngewebe. Sie entspringt aus den Federpapillen, die in der Lederhaut sitzen. Die nach außen hin sichtbare Fahne bildet zusammen mit dem mittigen Schaft und der Spule den Kiel.

Hauptbestandteil des Federkleides sind die Deckfedern, die durch Haken- und Bogenstrahlen fest miteinander verbunden sind, um die Stabilität der Schwingen und Steuerfedern zu festigen. Reißen diese durch starke Beanspruchung doch einmal auf, werden sie durch das Huhn wieder repariert. Es zieht die Feder einfach durch den Schnabel und bringt sie so in Form.


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