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Lautsprache von Hühnern

Der deutschen Beschimpfung „Du dummes Huhn!“ nach zu urteilen, sollte man annehmen, Hühner würden eher nicht zu den hellsten Köpfen des Tierreichs gehören. Auf den ersten Blick können sie manchmal durchaus etwas zerstreut oder verwirrt wirken. Tatsächlich findet die Wissenschaft aber zusehends mehr Indizien dafür, dass das Huhn in seiner Intelligenz anderen Vögeln und sogar einigen Säugetieren in nichts nachsteht.

Hühner können Mitgefühl zeigen, Rechenaufgaben auf Kleinkindniveau lösen, und sie kommunizieren über eine komplexe Lautsprache. Diese Lautsprache verstehen und deuten zu können, ist für den Hühnerhalter eine sehr nützliche Fähigkeit, die es ihm ermöglicht, ihnen ihr Leben so stressfrei und angenehm wie möglich zu machen.

Das Hühner-Krähen

Das Krähen, wohl einer der bekanntesten Hühnerlaute, wird oft mit dem Hahn in Zusammenhang gebracht. Prinzipiell sind aber auch Hühner durchaus dazu in der Lage, dieses Geräusch zu erzeugen. Wenn es in der Gruppe keinen Hahn gibt, kann dies von der ranghöchsten Henne übernommen werden.
In seiner Bedeutung kann das Krähen je nach Situation unterschiedlich interpretiert werden: Eine seiner wichtigsten Funktionen ist es, durch seine hohe Lautstärke weiter entfernte und eventuell verirrte Hennen zu erreichen und ihnen den Weg zurück zur Gruppe zu weisen.

Aber auch als Kampfschrei vor der Auseinandersetzung wird das Krähen von Hähnen gern verwendet, um Kraft und Dominanz auszudrücken und den Gegner bereits vor dem Kampf einzuschüchtern.

Tipp: Wenn Sie dieses Geräusch hören, kann es nicht schaden, ihren Hühnern einen kurzen Besuch abzustatten, um nach dem Rechten zu sehen. Sollte es als Kampfschrei ausgestoßen worden sein, können Sie so vielleicht noch rechtzeitig einschreiten, um Verletzungen zu verhindern und die Streithähne im Zweifelsfall vorerst voneinander getrennt zu halten.

Der Lockruf eines Huhns

Ein etwas weniger durch Mark und Bein gehender Lockruf, der hauptsächlich, aber nicht ausschließlich vom Hahn genutzt wird, ist das „tuck tuck tuck“, das meist mit hinweisenden Bewegungen kombiniert wird. Damit weist der Hahn, oder in selteneren Fällen auch Hennen oder sogar ältere Küken, die anderen Mitglieder der Gruppe auf eine gefundene Futterquelle hin.

Je nach Qualität des Fundes kann das Geräusch mehr oder weniger enthusiastisch ausfallen. Auf die gleiche Art rufen auch Glucken ihre Küken.

Wenn ein Hahn den Lockruf verwendet, kann er dabei aber auch etwas ganz anderes im Sinn haben: Hähne können mit dem Laut auch in voller Absicht „lügen“, um eine einzelne Henne an eine futterlose, abgelegenere Stelle zu locken, um sie dort in Ruhe begatten zu können.

Die Nestsuche von Hühnern

Bei der Hühnerhaltung sind Sie immer Hautnah dabei.Befindet sich eine Henne kurz vorm Legen und benötigt einen angemessenen Ort für die Eiablage, kann sie auf der Suche mit leisen, kurzen „ruck ruck ruck“-Lauten den Hahn dazu auffordern, ihr bei der Nestsuche zu helfen und ihn währenddessen weiter damit antreiben. Während der Hahn sich dieser Aufgabe gewissenhaft widmet, stößt auch er kehlige, aber deutlich tiefere Laute aus. Hat er einen Platz gefunden, den er für angemessen hält, scharrt er oder setzt sich.

Ist die Henne mit seiner Wahl einverstanden, werden ihre Geräusche häufiger und damit auch seine Laute noch enthusiastischer. Hat die Henne ihr Nest bezogen, ist dem akustischen Schauspiel ein Ende gesetzt, und der Hahn wendet sich nun wieder anderen Dingen zu.

Drohgeräusche von Hahn und Huhn

Drohlaute kommen meist dann zum Einsatz, wenn ein ranghöheres oder stärkeres Tier der Meinung ist, ein schwächeres Exemplar niederen Ranges sei ihm im Weg oder behindere anderweitig sein Vorhaben.

Darauf weist es jenes zunächst regelrecht höflich mit einem nicht sonderlich lauten, aber nachdrücklichen, langgezogenen Ton hin. Dieser ist nicht direkt Rhythmisch, und klingt in etwas wie ein „Ääck“, „Eckeck“ oder „Agaack“.

Manchmal kann sich der Laut sogar fast wie das Knurren eines Hundes anhören. Leistet das andere, schwächere Huhn dann jedoch nicht unverzüglich Folge und macht dem stärkeren Platz, ist es mit der Diplomatie schnell vorbei, und es wird zu rabiateren Methoden übergegangen und nach ihm gehackt. Diese Drohmethode wird so gut wie ausschließlich von weiblichen Hühnern untereinander verwendet, während Hähne meist stumm und rein durch Körpersprache drohen.

Wehlaute von Hühnern

Hühnerhaltung und Wachtelhaltung gelingt im Garten gut.Wie auch beim Menschen nicht unüblich, reagieren Hühner auf böse Überraschungen mit einem gellenden Schrei der Empörung. Je nach Situation kann dieser Laut sogar dazu führen, dass andere Hühner oder Hähne dem Schreienden zur Hilfe eilen und den Feind, also das Raubtier oder auch den Menschen, hackend oder beißend angreifen.

Greift ein ranghöheres Huhn ein anderes an, fällt dessen Wehlaut meist etwas verhaltener, leiser und klagender aus, während umgekehrt ein von einem Angehörigen eines niedrigeren Ranges angegriffenes Huhn einen recht lauten und verärgerten Schrei von sich gibt.

Sollte Ihnen auffallen, dass die Schmerzensschreie oder Drohgeräusche in Ihrer Hühnerschar Überhand nehmen, sollten Sie ein Auge darauf haben. Häufige gewaltsame Konflikte können zum Beispiel darauf hindeuten, dass Sie ihre Hühner auf zu kleinem Raum halten, oder ihnen nicht ausreichende Mengen der notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Das Kollern von Hähnen

Das Kollern hört sich an, wie ein trotziges Brummeln, und kann sogar so interpretiert werden: Gerät ein Hahn in eine für ihn brenzlige Situation, und entkommt ihr (zum Beispiel wenn er vom Menschen gepackt und dann wieder losgelassen wird), gibt er diesen Laut als Zeichen von Selbstbewusstsein von sich, wie um zu sagen „Das hat mir gar nichts ausgemacht!“.

Er unterstreicht so auch den Kratzfuß, eine körpersprachliche Geste der Überlegenheit, mit der eine ranghöhere Stellung anderen Artgenossen gegenüber bekundet wird.

Das Gakeln von Hahn und Henne

Als Gakeln oder auch Singen wird die nervöse Lautabfolge bezeichnet, die Hühner von sich geben, wenn sie legebereit sind aber keinen passenden Ort zum Legen zur Verfügung haben (zum Beispiel weil das Nest noch von einer ranghöheren Henne belegt ist). Es ist zusammengesetzt aus einem gedehnten, in der Tonhöhe leicht ansteigenden Laut, auf den ein oder mehrere kurze Laute folgen, jeweils getrennt von einer kurzen Pause.

Auch Hähne können dieses Geräusch erzeugen, nutzen es allerdings zu anderer Gelegenheit: Wenn ein Hahn von einem Rivalen, gegen den er im Kampf verloren hat, weiter verfolgt oder angegriffen wird, versucht er diesen so zu beschwichtigen.

Tipp: Da das Gakeln bei Hennen der direkte Ausdruck eines Bedürfnisses ist, sollte es nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Tritt es bei Ihren Hennen häufig auf, können Sie daran erkennen, dass die von ihnen angebotenen Legeplätze nicht ausreichen, um allen Hennen gerecht zu werden, was zu unnötigem Stress bei den Hennen führt.

Das Hühner-Gackern

Hühner lieben es herum zu suchen und zu picken.Das wohl berühmteste Hühnergeräusch ist das Gackern, eine rhythmische Aneinanderreihung kurzer, gleichartiger Laute, die zusammen wie „Gack-ack-ack Gack-ack“ und so weiter klingen. Es drückt Aufregung aus, im Positiven wie im Negativen.

So ist das Gackern sowohl zu hören, wenn eine Henne stolz verkündet, dass sie soeben ein Ei gelegt hat, als auch, wenn ein Huhn beunruhigt oder verängstigt ist. In beiden Fällen ruft die Henne damit nach ihrer Herde, nach dem Legen, falls sie dabei weiter von der Herde entfernt war, bei Stress, um bei der Herde Schutz zu suchen.

Fazit

Nun, wo Sie wissen, worauf Sie achten sollten, steht einem ganz neuen Einblick in die Bedürfnisse Ihrer Hühner nichts mehr im Wege. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie Ihre Tiere für sich sprechen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß beim Zuhören Ihrer Hühner!


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