Wer Hühner züchtet, möchte meist so früh wie möglich wissen, welches Küken ein Hahn und welches eine Henne ist. Schließlich sind die Hennen begehrter als die Hähne, sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Weiterverkauf.
Wie und ab wann man Hahn oder Henne unterscheiden kann, schauen wir uns hier genauer an.
Ab wann lässt sich das Geschlecht erkennen?
Mit Hilfe des neuste Stand der Technik lässt sich das Geschlecht im Ei aktuell bereits ab Tag 3,5 bestimmen. Allerdings ist dieses Verfahren noch nicht genügend ausgereift, um es in der großen Industrie nutzen zu können.
Aus diesem Grund wird in der Industrie aktuell auf ein anderes Verfahren zurückgegriffen, zu dem man die Allantois (außen liegende Harnblase) punktiert und Flüssigkeit entnimmt um das Geschlecht zu bestimmen.

Die Allantois entsteht am 3./4. Tag, ist dann aber noch schwierig zu finden auf Grund der Größe, der perfekte Tag ist aktuell Tag 9 dafür. Da die Küken ab Tag 9 bereits Gehirn und Nervenbahnen entwickeln, empfinden sie mit ziemlicher Sicherheit bereits ab da Schmerzen, weshalb in Deutschland das Töten von Küken im Ei nach dem 9. Tag ab Januar 2024 verboten werden soll.
Daher wird mit Eile an der Verbesserung des o.g. Verfahrens gearbeitet, um es entsprechend früher anwenden zu können.
Geschlechtserkennung am Küken
Wann sich das Geschlecht bei den Küken erkennen lässt, ist sowohl von der Rasse, als auch vom Farbschlag abhängig. Im Folgenden gehen wir daher auf die verschiedenen Möglichkeiten ein:
Rassen mit einfacher Geschlechtserkennung
Es gibt sogenannte „kennfarbige Rassen“ wie z.B. das Bielefelder Kennhuhn, bei welchen sich die Küken sofort nach Schlupf anhand der Zeichnung unterscheiden lassen.
Um bei dem Beispiel zu bleiben, sind die Hähne beim Bielefelder Kennhuhn hell gefärbt mit einem hellen Fleck am Kopf, die Hennen haben hingegen einen dunkel gestreiften Rücken.

Ebenfalls sofort nach Schlupf erkennen, lassen sich Rassen mit dem sogenannten „Sperberfleck„: ist der helle Fleck auf dem Kopf klar abgegrenzt, sind es Hennenküken, bei einem verlaufen aussehenden Fleck sind es dagegen kleine Hähne. Beispiele dafür sind die Deutschen Sperber und Amrocks.
Auch gesperberte Küken lassen sich direkt nach Schlupf unterscheiden: Die Hähne sind deutlich heller, als die Hennen, da sie das Sperbergen doppelt tragen und somit der weißanteil höher ist.
Bei Rassen mit asiatischem Anteil haben Hahnenküken oft die sogenannte „Gefiederbremse„, das heißt sie befindern deutlich langsamer, als die kleinen Hennen. Während die weiblichen Küken mit 6 Wochen dann schon voll befiedert sind, fehlt den männlichen oft noch gut die Hälfte der Federn.
Bei den asiatischen Rassen kann man auch innerhalb der ersten 3 Tage nach Schlupf versuchen, zu „Federsexen„: wenn man vorsichtig ein Flügelchen ausbreitet, sind bei den Hennen schon zwei Federreihen zu sehen und bei den Hähnen nur eine.
Rassen ohne direkte Geschlechtsmerkmale
Bei dem überwiegenden Teil der Rassen heißt es allerdings schlicht warten, bis sich die ersten äußerlichen Geschlechtsmerkmale zeigen, heißt der Kamm wächst deutlich sichtbar und wird rot und man sieht schon die Kehllappen.

Mit 6-8 Wochen sehen die Hähne dann meist schon deutlich rot aus am Kopf. Hennen werden dagegen erst wenige Wochen vor dem ersten Ei rot am Kopf und auch der Kamm wächst dann plötzlich explosionsartig.
Direkt nach Schlupf kann man da nur eine vorsichtige Prognose anhand des Kammansatzes machen, bei den kleinen Herren ist der oft deutlich breiter und weiter am Kopf hochgezogen.
Geschlechtsbestimmung beim Seidenhuhn
Richtig schwierig wird es bei den Seidenhühnern, hier lässt sich oft das Geschlecht erst sicher mit dem ersten Ei oder dem ersten Krähen sagen.
Geübte Züchter können aber auch da oft schon mit 6-8 Wochen erkennen, welches Geschlecht das Küken hat. Berücksichtigt wird dabei der Stand. Hahnenküken stehen deutlich aufrecht, bei Hennen sieht die Rückenlinie eher waagerecht aus-, die Größe der Füße (bei männlichen Tieren deutlich größer), das Gefieder und der Kopf.


Hähne haben auch hier meist einen deutlich breiteren Kammansatz uns später den größeren Kamm.
Der Schnabel der Hennen sieht feiner, schlanker aus, während der der Hähne kurz und kräftig aussieht. Ich persönlich finde auch immer, dass die Hähne schon als Küken immer leicht angesäuert aus der Wäsche gucken.
Labordiagnostik
Eine weitere Möglichkeit der Geschlechtsbestimmung ist die Labordiagnostik. Dabei gibt es verschiedene Verfahren:
Einsenden der Eischale, sofern man diese dem jeweils geschlüpften Küken sicher zuordnen kann.
Ab dem Zeitpunkt der Befiederung zwei oder drei Brustfedern (diese werden gerupft, das Huhn sicher markiert, Federn in einem kleinen Ziplock Beutel mit entsprechender Markierung. Z.B. Ringnummer und so an ein Labor gesandt, z.B. Tauros Diagnostik)
Ebenfalls aussagekräftig ist eine Blutprobe. Die Kosten dafür variieren, bei dem von uns getesteten Verfahren mit den Brustfedern über das Labor Tauros Diagnostik kostete es pro Tier 9,50 Euro.
In den großen Brütereien gibt es zudem einen Beruf, der überwiegend in Asien zu erlernen ist, nämlich der Beruf des Sexers.
Hinweis: Ungeübte sollten diese Technik auf keinen Fall ausprobieren, da man das Küken dabei schwer verletzen kann!
Beim Kloakensexen wird mit leichtem Druck auf den Unterbauch und die Kloake diese nach außen gestülpt. Bei Hahnenküken zeigt sich dann der Penis als eine leicht gebogene kleine knorpelige Wölbung. Ein geübter Sexer kann 2000 Küken pro Stunde bestimmen mit einer Fehlerquote von 2%!
Geschlechtserkennung Jungtiere
Bei den Jungtieren die schon voll befiedert sind, kann man schon recht gut unterscheiden, was männlich oder weiblich ist. Denn nicht nur der Kamm und die Kehllappen sind ein Indiz für das Geschlecht, sondern auch die Form und Farbe, bzw Länge der Befiederung!
Hennen
Hennen entwickeln ein einheitlich aussehendes Federkleid, was (ausgenommen schwanzlose Rassen wie Araucana) in einen V-förmigen schwanz übergeht. Mit einheitlich ist die Form der Federn gemeint, denn die Farbe ist natürlich abhängig von Rasse und Farbschlag. Wenn man sich die einzelnen Federn am Hals ganz genau anschaut, laufen diese am Ende rund aus.

Junghähne
Junghähne dagegen haben schon deutlich sichtbare und vor allem rote Kehllappen und Kamm. Dazu wächst langsam das erste Schmuckgefieder an Hals und Rücken, die Federn fallen meist durch ihre andere Farbe bzw. Glanz auf und laufen ganz spitz aus.
Außerdem sind sie deutlich länger als der Rest des Gefieders. Bei Kleinrassen Krähen die frühreifen sogar schon mal mit nur vier Wochen zum ersten Mal! Die Herren haben zudem eine sehr viel aufrechtere Haltung, während der Rücken der Hennen ungefähr waagerecht ist.

Ausgewachsene Hühner
Hennen kurz vor der Legereife ducken sich, wenn man sich zum Streichen oder Hochnehmen runter beugt, als ob der Hahn sie treten würde. Sobald die Hennen das machen, dauert es meist nur noch 2-4 Wochen bis zum ersten Ei!
Ausgewachsene Hähne erkennt man in der Regel an dem hervorstechenden Federkleid, denn zu den Hals- und Sattelfedern kommen noch die Sichelfedern am Schwanz dazu. Außerdem zeigen sie den Hennen das Futter lautstark an, treten die Hennen und vor allem: sie krähen!
Ein stolzer Serama Hahn mit deutlichem Hals- und Sattelgefieder und schönen, dunkelblauen Sichelfedern.
Achtung: Das Krähen allein ist kein Indiz für einen Hahn, denn wenn kein Hahn vorhanden ist, kann es passieren, dass eine sehr dominante Leithenne das Krähen übernimmt!
Was mache ich mit männlichen Küken?
Wer brütet, muss immer mit Hähnen rechnen, im schlimmsten Fall hat man tatsächlich keine einzige Henne!
Ziel sollte natürlich sein, so viele Hähne wie möglich in eine artgerechte Haltung zu vermitteln, aber das ist meist nicht realisierbar.
Daher sollte man sich vor dem Brüten darüber Gedanken machen, welche Alternative man wählt:
Schlachtung zum Verzehr
Möchte ich die Hähne bis zur Schlachtreife großziehen und dann selber schlachten (oder zum Lohnschlachter bringen), um mein eigenes Fleisch zu „produzieren“? Dafür muss genügend Platz vorhanden sein um Streit unter den Junghähnen zu verhindern!
Verwendung als Tierfutter
Oder gebe ich die Hähne in den Tierpark, Zoo oder an Falkner ab, damit sie dort als Tierfutter verwertet werden und zumindest so in den „normalen Kreislauf“ zurückkehren?
(Die Tiere dürfen dort nicht lebend verfüttert werden, sondern müssen vorher geschlachtet werden!)
Bei beiden Varianten muss man sich unter dem Aspekt, dass die Tiere ihr Leben beenden müssen, trennen können!
Kann ich nur weibliche Küken ausbrüten?
In der Privathaltung ist es aktuell unmöglich, das Geschlecht vor dem Schlupf zu bestimmen und somit nur Hennen aus zu brüten. Dies wird wohl noch lange ein Traum bleiben.
In der Industriellen Haltung wird aktuell intensiv daran geforscht, das Geschlecht möglichst frühzeitig im Ei bestimmen zu können, damit die Bruderhähne sofort aussortiert werden und nicht aufgezogen werden müssen.
Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es zwei verschiedene Verfahren, die angewandt werden:
Beim endokrinologischen Verfahren wird nach neun Tagen Brutzeit von jedem Ei etwas Flüssigkeit genommen, ohne dabei das Eiinnere mit dem Embryo zu beschädigen. Anhand dieser entnommenen Proben wird dann das Geschlecht mit einem biotechnologischen Verfahren bestimmt.
Mit dem spektroskopischen Verfahren werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird mit einem Speziallicht ein Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird nun durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.
Bei beiden Verfahren wird der Brutvorgang für die männlichen Embryonen abgebrochen, diese Eier werden entsorgt, bzw. der Futterindustrie zugeführt.
Der Zeitpunkt der Geschlechtsbestimmung ist ein wichtiger Faktor, denn ab dem 13. Tag empfindet der Embryo nachweislich Schmerzen, womit ein einfaches Entsorgen des Eies verboten ist!
Geschlechtsumwandlung im Ei
Aktuell testet das israelische Startup Unternehmen „Soos“ an einer Methode, um das Geschlecht der Küken im Ei zu ändern! Bei Reptilien, Fischen und Amphibien kann man anhand der Bruttemperatur das Geschlecht beeinflussen.
Bei Vögeln entwickelt sich das Geschlecht der Embryonen erst nach dem sechsten Tag. Soos erklärt dazu, dass sich zu dem Zeitpunkt die Keimdrüse – dort entwickeln sich Hoden oder Eierstöcke – „bi-potentiell“ verhält, das heißt, die Geschlechtsmerkmale können sich unabhängig vom Erbgut ausbilden.
Das Unternehmen nutzt diesen Zeitraum für die Behandlung der Eier. Laut Aussagen des Unternehmens werden die Eier in einem speziellem Inkubator mit Schallwellen und unterschiedlichen Temperaturen, sowie veränderten Luftfeuchtigkeiten bebrütet. Die Schallvibration wird von den Eierschalen aufgenommen und auf den Embryo übertragen.
Dadurch wird Soos zufolge die weibliche Genexpression hochreguliert, es werden also mehr weibliche genetische Informationen umgesetzt und für die Zelle nutzbar gemacht. Die so gebrüteteten Küken besitzen dann zwar auch noch eine männliche DNA, entwickeln jedoch Eierstöcke und sind dadurch in der Lage, Eier zu legen.
Sollte sich dieses Verfahren etablieren, ist das zum aktuellen Zeitpunkt -in Abhängigkeit von der Entwicklung entsprechender Inkubatoren- wohl die vielversprechendste Variante für den Hobbyzüchter!

